Zwischen Autokonzern und Künstlergruppe oder: Wer ist BENTEN CLAY und wenn ja wie viele?

Titelbild

Ihr Logo sieht aus  wie von  einer Automobilmarke, ihr Unternehmensleitbild klingt wie das der Deutschen Bank - erst auf den zweiten Blick enthüllt sich der künstlerische Anspruch des Projekts. Im Nu drängen sich dem Betrachter Fragen auf: Wer ist BENTEN CLAY, was wollen seine Macher und welche Rolle spielt das finnische Endlager für Atommüll bei all dem? Sonntag eröffnet BENTEN CLAY die Ausstellung The Promise, in der Fotografien und Videos aus Island gezeigt werden. Doch zuvor stehen die Gründer(innen) von BENTEN CLAY uns Rede und Antwort.

ARTiBERLIN: Woher kommt der Name BENTEN CLAY?

Bei der Recherche rund um das weltweit erste nukleare Endlager, das gerade in Finnland gebaut wird, stießen wir ständig auf das Material "Bentonite Clay", im Deutschen Bentonit. Wir fanden den Klang und die Eigenschaften des Materials toll, wollten aber nicht wie antitoxische Heilerde oder wie Superhelden klingen. Also haben wir uns stattdessen einen norwegischen Vornamen zugelegt: Benten. Wir mögen die Verwirrung. Man kann uns nicht zuordnen, sind wir Mann, Frau, mehrere oder eine Automarke aus den 80ern?

ARTiBERLIN: BENTEN CLAY definiert sich auf der Website als „weltweit agierendes Unternehmen“. Was ist euer Unternehmensziel?

Wir wollen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und nachhaltig Wert schaffen – für unsere Kunden, unsere Partner, unsere Investoren, unser Gewissen und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir haben einen Leitbild-Franchise-Vertrag mit der Deutschen Bank und der BASF abschließen können, so dass wir nun weitestgehend das gleiche Leitbild haben. Das gibt uns Kraft und Visionen für die Zukunft, solch potente Partner an unserer Seite zu haben.

ARTiBERLIN: Der Seitenbesucher auf BENTEN CLAYkann euch entweder als künstlerisches Projekt, das Unternehmen persifliert und sich als Großkonzern tarnt, begreifen - Oder genau umgekehrt. Wie ist euer Selbstverständnis in diesem Spannungsfeld? Also: Seid ihr ein Unternehmen oder ein künstlerisches Projekt?

Wir sind ganz klar ein künstlerisches Projekt. Je nach Laune und nach Projekt spielen wir aber die eine Karte oder die andere. Man muss genauer hinsehen, um den Bruch dahinter zu entdecken. Noch sind wir ganz neu "auf dem Markt" und können uns diese Wechsel gut erlauben. Die Verwirrung ist durchaus gewollt, nach dem Motto "wer bin ich und wenn ja, wie viele".

Eigenes Bild 2 (gross)ARTiBERLIN: Was hat euch zu diesem Projekt bewogen, was treibt euch an?

Ursprünglich wollten wir nur ein gemeinsames Projekt machen, gemeinsam an einem Artist-in-Residence-Programm teilnehmen. Als wir dann bei Arteles, einer Residency in Finnland, angenommen wurden (mit einer Projektidee zum Endlager), verselbständigte sich fast alles. Plötzlich gab es uns als Benten Clay und wir waren ein Unternehmen mit Logo, Maskottchen und einem langfristigen "Forschungsprojekt". Wir haben durchaus einen starken Antrieb, mit unserer Kunst einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten: Wer weiß schon Details vom ersten Endlager der Welt, oder dass Island seine Ressourcen und das Land verscherbelt!?

ARTiBERLIN: Was beinhaltet euer „Langzeitprojekt Age of an End“ und wie spiegeln sich diese Themen in euren künstlerischen Aktivitäten wider?

Alle Unterthemen zum großen Thema "Age of an End" verstehen sich als Erforschungen von Mechanismen unserer Zeit. Es geht ganz klar ums Jetzt. Natürlich zeitlich eingebettet und auf die Zukunft ausgerichtet. Wir haben das Gefühl, es geht momentan nicht um eine Aufbruchstimmung wie in vergangenen Jahrzehnten, sondern um eine Art Verwaltung und Verhandlung von Enden. Ökologische Ressourcen gehen zu Ende, politische Ären, Technologien... Das Ende – verstanden als Grenze, als Transformation oder als Zustand, der einen Neuanfang impliziert.

ARTiBERLIN: Welche künstlerischen Formate beinhaltet BENTEN CLAY?

Momentan Fotografie, Video, Skulptur, Installation. Wir haben noch einen Verlag, "Benten Clay Publishers", da erscheint gerade ein Hörbuch über die Folgen eines Staudammprojekts in Island, erzählt von einem isländischen Landwirt und demnächst ein Iceland Travel Guide mit Fotos von Autos.

ARTiBERLIN: Wie ist das Verhältnis der unterschiedlichen künstlerischen Projekte zu einander? Stehen sie in einem engen Zusammenhang, bauen sie aufeinander auf, oder sind sie jeweils selbstständige Formate?

Es gibt Themenkomplexe zum Überthema "Age of an End". Wir veröffentlichen einzelne Arbeiten, sobald sie fertig gestellt sind auf unserer Website, um sie für den Diskurs zu öffnen, stellen dann aber einige für Ausstellungen zusammen. Gerade hatten wir ca. 10 verschiedene Arbeiten auf 160qm Fläche im Freien Museum Projektraum ausgestellt, das öffnet natürlich ganz andere Denkräume, da man die Querbezüge direkt erleben kann.

Eigenes Bild 3 (gross)ARTiBERLIN:  Was wird in euer Ausstellung "The Promise" zu sehen sein?


The Promise 
zeigt inhaltlich und formal vielschichte visuelle Vermerke und Versprechen, die sich  gegenseitig ausschließen: Das Island als Inbegriff paradiesischer Naturzustände, ist vielleicht nicht mehr lange zu vereinen mit dem gleichzeitigen Versprechen der Regierung auf Arbeitsplätze, Reichtum, Macht und Einfluss. Denn die geplanten Projekte der Energiegewinnung sind fragwürdig und bringen unwiderrufliche Schäden für fast alle Beteiligten mit sich.

ARTiBERLIN: Wie viel Ironie und wie viel Ernst liegen BENTEN CLAY zugrunde, wie ernst nehmt ihr euch selbst?

Unsere Grundhaltung ist ernst und wir wollen sozusagen "gewissenhaft" arbeiten. Sagen wir es so: wir haben unseren Spaß mit den Bärenmasken -wir als eigene Maskottchen- das Unternehmen ist Konzept, die Arbeiten stehen für unsere künstlerische Haltung hinter den Kulissen des Unternehmens.

 

Abbildungen (von oben nach unten)

BENTEN CLAY, Portrait, 2011
BENTEN CLAY, The Promise, Seltun, Inkjetprint, 145 x 190cm,  2012

Website zu BENTEN CLAY: www.bentenclay.com

Ausstellung The Promise
25.10. - 18.11.2012
Eröffnung: 21.10.2012 | 18 Uhr

Plattenpalast
Wolliner Straße 50
10435 Berlin
http://www.bentenclay.com/id-10-the-promise.html

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