ARTOrt: AAA oder Abteilung für Alles Andere

Im von Galerien überschwemmten Berlin Mitte einen nicht-profit-orientierten Ausstellungsort zu finden,erscheint wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Doch unmöglich ist sie natürlich nicht. Site4 von Luisa Hänsel (04.05.2012)
Titelbild

Zwischen Rosenthaler Platz und Brunnenstraße hat der ARTOrt diesmal die Abteilung für Alles Andere entdeckt. Und das sogar an einem geschichtsträchtigen Ort, nämlich in den Räumen der Galerie Artacker in der Ackerstraße 18, die noch vor einigen Jahren zu den besetzten Häusern in Berlin Mitte zählte.

Eigenes Bild 2 (gross)In einer auf dem Hinterhof im Hochparterre gelegenen Remise, die über eine eiserne Gittertreppe begehbar ist, versteckt sich die „Abteilung für Alles Andere“ vor der draußen lauernden ellenbogenschlagenden Kunstwelt. Auf dem idyllisch, begrünten Hinterhof ist wirklich nichts mehr von champagnertrinkenden Galeristen oder Smalltalk führenden Kunstkäufern zu bemerken. Am Abend des ersten Mai saß ich auf der, so genannten, „Treppe für Gespräche“ mit einem Bier und Stefan Riebel.

Der ist Abteilungsleiter, Institutsvorstand, Künstler und noch vieles mehr. Zu seinen alltäglichen Aktivitäten gehören u. a. tote Pixel zu sammeln, in die Luft gestarrte Löcher zu verschenken oder Räume mit dem eigenen Atem in Luftballons zu füllen. Die "Abteilung für Alles Andere" ist ein Produkt seiner Sammelaffinität und gehört zu seiner Ortkollektion. Der Abteilungsleiter sammelt Orte sowohl in der digitalen Welt auf der Webseite onehundredboxes, als auch in unserer unmittelbaren Umgebung. Denn Räume sind überall. Sogar dort, wo wir sie nicht erwarten oder an Orten über die wir noch niemals nachgedacht haben - auf unscheinbaren Hinterhöfen, in Briefkästen, Schließfächern oder selbstdefiniert in Form eines Tatoos auf der eigenen Haut. Lange lebte Stefan Riebel selbst an seinem Ausstellungs- und Arbeitsort im Wedding. Heute heißt dieser Hybridraum „Institut für Alles Mögliche“ und beherbergt als Residency verschiedene Künstler.
Eine simple Abteilung vom „Institut für Alles Mögliche“ ist der Kunstraum in der Ackerstraße jedoch nicht: Es agiert unabhängig vom 2010 gegründeten Institut und ist noch bis Ende des Jahres in dem temporär vermieteten Raum ansässig.

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Die "Abteilung für Alles Andere" grenzt sich vielmehr von allem anderen ab, das sich im unmittelbaren Umfeld befindet. Gleichzeitig agiert das AAA als ein Ort, der alles andere zeigt, was nicht zum allseits Bekannten gehört. AAA könnte als eine Art Fluxus, angepasst an unseren Digital-Lifestyle, beschrieben werden. Auf der Internetseite finden Interessierte das aktuelle Programm, mit Veranstaltungen bei denen alle, die Lust haben, mitmachen und Ideen einbringen können.

Jeden ersten Dienstag im Monat veranstaltet die Abteilung das Filmscreening Videobites in Kollaboration mit der Onlineplattform für kreative Videos elmur.net. Wer seine Filmkünste der Öffentlichkeit zeigen will, kann ganz einfach sein eigenes Video auf der Webseite hochladen. Die besten Vorschläge werden dann in der "Abteilung für Alles Andere" bei Bier und netter Gesellschaft ausgestrahlt.

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Mein Interesse regte vor allem der Berlin Art Battle an, „ein kleiner (Gesellschafts-)Spieleabend im Kontrast zum großen Hauen und Stechen in der Berliner Kunstwelt“. Vorschläge für Gesellschaftsspiele, bei denen die Teilnehmer gegen einen Protagonisten der Berliner Kunstszene antreten werden, nimmt die "Abteilung für Alles Andere" gern per Mail entgegen.

Bleibt zum Schluss noch auf das Ende Mai stattfindende Performancefestival Direct Action zu verweisen. Eigenes Bild 4 (gross)Im Rahmen des Monats für Performancekunst werden die Besucher vom 18. bis zum 20. Mai verschiedene Künstler kennenlernen, die sich mit dem Thema „Performance und Text“ beschäftigen. Dabei ist auch Oliver Breitenstein, der das "Institut für unkontrolliertes Denken" leitet und unter dem Motto „Ich schaue Kunst auch für sie.“  ein innovatives Business gegründet hat: er besucht Ausstellungen und Vernissagen stellvertretend für seinen Auftraggeber.

Wem also das „Hauen und Stechen“ der Berliner Kunstszene ab und an zu kräftezehrend oder zeitraubend ist, kann sich von Oliver Breitenstein helfen lassen und findet im AAA die Möglichkeit alles andere zu erproben – die „Treppe für Gespräche“ bietet dafür, meiner Erfahrung nach, einen willkommenen Kommunikationsort. Kunst betrachten können wir in Berlin schließlich jeden Tag und über alles andere nachdenken jeden ersten und dritten Dienstag in der Abteilung für Alles Andere.

 

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c/o Projektraum ARTACKER,
Künstlerhaus am Acker! e.V.
Ackerstraße 18
10115 Berlin

Das gesamte vergangene, gegenwärtige und zukünftige Programm findet ihr unter:
http://www.a-a-a.cc

weitere Links zu im Text genannten Webseiten:
http://www.onehundredboxes.com/
http://www.elmur.net/

http://i-a-m.tk/
http://www.publicartfactory.de

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Abteilung für Alles Andere.

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unbekannt
(unbekannt) am 11.05.2012 um 08:49 Uhr
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