Es ist Montag: der Beginn der Arbeitswoche mit Aussicht auf viel Arbeit. Was könnte man sich da Besseres vorstellen als abzuschalten, und dabei Filme und Menschen beim scheitern zuzuschauen.
An diesem Montagabend scheinen ins besondere Liebesbeziehungen sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Gescheiterte Leben und Lieben. So auch in den drei kürzeren Filmen: “Echos” von Saschko Frey, “Kennen wir uns?” von Jan Frehse und “Der Schmetterlingseffekt” von Andre Herrmann. Bei jedem von diesen scheint Leben, Liebe und Tod verstrickt zu sein, je auf seine Art.
„Echos“ schildert die posttraumatische Auseinandersetzung mit dem brutalen Ende einer Beziehung. Die Erzählung spielt in der kalten Umgebung der nun lehren Wohnung, wo die “Verlassene” auf ihr Alterego/ das Affärensubjekt/ eine Bekannte trifft. Schrittweise wird sie gezwungen sich an die Probleme der Liebesgeschichte zu erinnern und mit ihren eigenen Handlungen auseinander zu setzen. Das Zusammentreffen von Blond auf Rot, Kälte auf Wärme, das Kontrollierte auf das Sexuelle kreiert ein Spannungsfeld zwischen Vernunft, Eifersucht und Leidenschaft.
Die Auseinandersetzung des Dramas „Kennen wir uns?“ findet, im Gegensatz hierzu, zwischen den ehemalig Liebenden statt. Die Flucht in einen Fahrstuhl wird zum Konfrontations- und Rückblicksinstrument. Das Geständnis eines Betrugs entfaltet sich, durch assoziative Wortspielerei, zu einem poetischen Streitgespräch. Der Dialog ist durchweg der Mittelpunkt des Geschehens.
Dagegen richtet sich die Erzählart bei „Schmetterlingseffekt“ direkt an den Zuschauer. Fast wie Geständnisse in einer Reality-TV-Sendung, werden Macht, Vertrauen und Betrug ganz und gar neu und überraschend verstrickt. Das Beziehungsdrama im Quadrat überrascht zunächst und wird dann, einem Wunsch folgend, durch einen Flugzeugabsturz beendet. Alle sind tot.
Der Abend endete mit einem Plattenbaumärchen. In dem Film des 16 jährigen Max Hegewald “Goldfische fliegen nicht” folgt der Zuschauer der 18 jährigen Teresa, die nach ihrer eigenen Einschätzung in mitten von Verrückten und Alten lebt. Sie ist gefangen in einem Goldfischglas, genervt von der ihr bekannten und begrenzten Welt. Sie sehnt sich nach Freuden und die Ferne.
Klavierlehrerin Louise: “Hast schon mal besser ausgesehen.”
Teresa: “Dem Goldfisch wird schwindelig in seinem Goldfischglas”
Wo Anfangs die triste, fast zu realistische Darstellung des Alltags dem Publikum die Unlust am Leben vermittelt, vermischt sich das Mutter-Tochter-Drama mit dem Verlieben, Verlieren und Verreisen.
Teresa: “Was machen sie in meinem Bademantel?”
Reiseverkäufer: “Ich lese Zeitung. Es gab nichts anderes.”
Letztlich erweitert sich das Goldfischglas und es wird eine Liebe zum heimischen geweckt. Wobei sich Theresa als durchaus verrückt outet.
Teresa: “Flieg doch du Scheißfisch”
Goldfisch: “…”
Der Dienstagmorgen bricht an und ein neuer Tag steht bevor.
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17.01.2011-19.01.2011, Babylon Kino, Rosa-Luxemburg-Str. 30
Festival des gescheiterten Films
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Titelbild: Jessica Geulen
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