*Konzept: Feuerpudel* - gut für die Literatur

Es geht um die gefühlte Unmöglichkeit, Literatur in Slams zu finden, die Liebe zur Ruhe im Hören und eine neues Konzept von Lesen. Site4 von Jo MAR (01.03.2012)
Titelbild

 Ich fand Poetryslams immer sehr merkwürdig. Ich schreibe selber - natürlich, du liest ja gerade einen Text von mir. Und ich ging zu Poetryslams um Leute zu treffen, die auch schreiben. Die mich inspieren könnten. Ich erwartete in sich gekehrte, schwarz gekleidete, französich aussehende Frauen, die rauchten und ihre Texte in ein von der Decke herabhängendes Mikrofon hauchten. Oder schöne Männer, die selbstbewusst und eloquent klare Bilder in die Luft sprechen würden. Was ich sah, war anders. Ich fand die Menschen selten schön, die auf der Bühne waren, und es war die reine Performanz. Es war ein ein-Mann-Theater. Selbstverliebtes ein-Mann-Theater. Ganz selten eine-Frau-Theater. Und wenn, dann ebenso selbstverliebt, sich in dieses Männerterrain zu wagen. Als ob Literatur nicht das einzige Beispiel der totalen Egalität sei. Aber diese Shows nehmen der Literatur den Zauber des Imagiären. Für mich funktionierte das nicht.

 

Ich ging also heim von diesen Shows und beinahe schon hatte es mir das Schreiben verdorben. Und das Suchen nach neuen, neugierigen, unbeholfenen literarischen Ausbrüchen.

 

Und dann kam der Feuerpudel. Ein totales ein-Mann-Theater, vom feinsten. Bestimmt auch selbstverliebt. Aber die Texte treten auf, und sie dürfen sich entfalten, ohne die aufdringliche Grinse ihrer Autoren, ohne jemanden, der versucht zu gewinnen. Und ruhig werden Bilder gezeichnet, in die Luft. Der eine Mann liest die Texte, blank und ohne Randnotizen, so wie man Texte zu lesen bekommt. Ruhig liest er in ein auf dem Tisch stehendes, viel zu großes Mikrofon, in die Köpfe der Zuhörer, die ihre Augen schließen. Zuhörer, die zuhören. Autoren, die ihr Werk hören. Und hinterher denken, das sei „wie aus dem Grab steigen, und hören, was andere über einen sagen“. Und sich dann überlegen wollen, ob sie sich zeigen wollen oder nicht.

Ein überaus spannendes Konzept, das manchmal eine Party wird und manchmal ein Konzert oder ein perfekter ruhiger Abend bei einem Glas Rotwein.

monatlich im Gelegenheiten Berlin, Weserstraße 50, Berlin Neukölln.

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