„Jon könntest du viellecht kurz dein Passwort eingeben, dein Bildschirm ist irgendwie…“, der schwedische Chef Kurator der diesjährigen Transmediale Kristoffer Gansing steht während der Eröffnungszeremonie plötzlich etwas ratlos auf der Bühne. Wir befinden uns auf dem deutschen Medienkunstfestival – und ausgerechnet hier streikt die Technik. Auf der Leinwand hinter Gasning thront nun das Anmeldefenster des Macs anstelle der vorbereiteten Powerpoint. Jon Satrom, erklimmt in aller Ruhe die Bühne wie ihm geheißen wurde, vertippt sich bei der Passwort Eingabe, erhält eine Fehlermeldung. Plong. Muss ein Plugin herunterladen, sucht in einem Forum. Findet irgendetwas, klickt auf ‚Download‘. Klickt noch einmal. Eine Armada an Download Ladebalken erscheint auf dem Screen. Immer dichter ertönen Betriebs- und Error-sounds des eigenwilligen Rechners…. Werden zu einem Rhythmus. Plong plong klack. Das Publikum beginnt zu verstehen und fasziniert der Komposition zu lauschen, die Satrom auf diese Weise in Echtzeit generiert. Satrom ‚dragged‘ und ‚dropped‘ Buttons und Symbole, clickt Checkboxen, wischt Fenster von einem Ende zum anderen. Zisch, pling, klack. Nun lässt er die Softwarelizenz zum Plugin vorlesen – Vocals erhält sein Track also auch... bis schließlich die Meldung erscheint: „The installation was successful.“ ![]()
So etwas liefert nur die Transmediale. Unter dem Motto in/compatible widmet sie sich in diesem Jahr dem (Nicht)Kompatiblem der Technik, all den vermeintlichen Störeffekten, die entstehen, wenn Technologie nicht zu passen scheint. Und dem Potential, das diese Form der kreativen Destruktion eröffnet. Die Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt zeigt Videokunst, zertrümmerte Computer, einander steuernde Play Stations, Computer generierte Pflanzenzeichnungen. Und noch mehr (ja unverhältnismäßig viel) Videokunst. Insgesamt wirkt Hauptausstellung recht düster, kann durchaus auf‘s Gemüt schlagen. (Positive) Energie können Besucher aber beispielsweise an einer Installation im Foyer tanken, die buchstäblich unter Strom steht. Das breite Programm ist der Transmediale verlangt den Interessierten einiges ab, bietet aber für jeden Geschmack etwas an. Gemeinsam mit dem Schwesterfestival Clubtransmediale bespielt es die Hauptstadt Tag und Nacht – aber nur noch dieses Wochenende!
Festival:
1 - 4 Feb 10:00 - 23:00 / 5 Feb, 10:30 - 22:00
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
http://www.transmediale.de
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