Unser aller Lieblings-Axolotl Helene Hegemann macht gemeinsam mit der Kamerafrau Kathrin Krottenthaler Antitheater im Ballhaus Ost. Etwas, das weder Theater sein, noch interpretiert werden will, kann theoretisch gar nicht scheitern. Aber was, wenn am Ende nur ein paar Jugendliche übrigbleiben, die fragmentarisch und collagenhaft ihrem Gedankenchaos Ausdruck verleihen? Da bekommen Cupcakes aufeinmal eine ebenso große Aufmerksamkeit wie die stete Ablehnung und Verurteilung des gefühligen, heineinversetzenden Schauspiels in den Stadttheatern. Schillers Glocke, Madonna im hautengen Body, Hamlet: hier kommt zusammen, was nicht zusammen gehört, wohl aber einen gemeinsamen Nenner hat, nämlich Teil des gewaltigen Wusts in Helenes Kopf zu sein. Ein bisschen stringente Handlung steckt aber doch drin. Izzy Deutschmann, eine gefeierte Jungschauspielerin, der bereits mit 11 Jahren der silberne Welpe für ihre glaubhafte Verkörperung einer Zwangsprostituierten verliehen wurde, dreht nun, acht Jahre später, einen neuen Film (Thema: Film im Film) mit Regisseurin Twopence Twopence. Das Ganze gipfelt in einer übertrieben sentimentalen Dankesrede des Hollywoodstarlets, in der alle an der Produktion Beteiligten, deren Mentor übrigens René Pollesch ist, mit rührigen Worten bedacht werden, bis auch dem Letzten die Tränen kommen.
Langeweile kann man dem einstündigen Antinarrationsabriss nicht vorwerfen, doch liegt das nicht an inhaltlichem Erkenntnisgewinn, sondern an energisierender Schummelmusik und Krottenthalers bereichernden Videoprojektionen. Kann man tatsächlich mit anderen Maßstäben messen, wenn im Prinzip auch auf dieser Bühne nicht viel anderes geschieht als auf allen sonst? Hegemann und ihren Freunden ist das egal, Hauptsache sie haben Spaß.
„Du kennst doch unsere Feindbilder, Izzy, oder? Die ganze Partei jener, die heute in der Werbebranche oder in leitenden Funktionen sitzen, also die die auf wichtig machen und die wir SO SEHR hassen und so weiter und sofort, et cetera et cetera. Das sind natürlich die einen Feinde, die müssen halt sein. Und die anderen Feinde sind die Möchtegernmusiker, die glauben, man müsse irre gut spielen können. Gut zu spielen ist bei uns nämlich so definiert, dass man die Gitarre cool umgehängt hat. Und nicht, ob man etwas besonders schnell spielt oder ob die Gitarre gar gestimmt ist. Das rufe ich dir hier grade nur in Erinnerung, weil man sich natürlich super orientieren kann, wenn man klare Feindbilder hat, nicht wahr, mein Schatz?“
Weitere Vorstellungen am 6. und 7. Januar 2012
Ballhaus Ost, Pappelallee 15, 10437 Berlin
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Über die Autorin:
Nachdem sie sich in ihrer BA-Arbeit mit Fragen des Exiltheaters in Zürich beschäftigt hat, studiert Ulrike Bauer seit kurzem "Medien und politische Kommunikation" im Master an der FU Berlin. Der Drang, das Bühnengeschehen in seiner Vielfalt zu erkunden, entwickelte sich zu Zeiten der Adoleszenz mitten in der mecklenburgischen Provinz und findet nun seit vier Jahren im einmaligen Berliner Angebot stetig neues Futter.
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