Die jüngste Debatte um die Äußerungen Thilo Sarrazins, zeigt einmal mehr, wie dünnhäutig sich die deutsche Gesellschaft in der Thematik des Judentums sowie des Holocausts gestaltet. Zu Recht! Und glücklicherweise, könnte man lakonisch einwerfen. Sonst nämlich, würde es Projekte wie das 'Intimate Relations Project' nicht geben.
Das Interessante liegt hierbei in der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Regiesseure Andreas Robertz und dem Mexikaner Mario Golden. Mittels Workshops zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Schauspielern aus Berlin und New York, wurden verschwiegene Erinnerungen wiederbelebt und zu Geschichten neu versponnen, die schließlich zwei Theaterstücke ergaben. Eines davon, 'Lunas Armband', findet seine szenische Umsetzung nun im Jüdischen Waisenhaus Berlin - Pankow.
Ein Frauenabend klingt nach dem Kino im Haus von Psychologin Johanna [Judith Evers] aus. Doch die beschwingten Frauenthemen verwandeln sich schnell in ernste Diskussionen über die Auswirkungen des Holocausts auf die heutige Generation. Mit dem Auftauchen der Filmemacherin Gudrun [Heidrun Reinhardt], wendet sich das Blatt. Spätestens dann, als sie Johannas Armband entdeckt, welches das Gegenstück zu ihrem Ring darstellt. Jener wurde ihr über zwei Generationen vererbt. Erinnerungen an Gudruns verstorbenen Großvater flammen auf. Die Tatsache, dass dieser bei der Waffen SS war, spaltet die fünf ver
schiedenen Frauen schließlich in mehrere Parteien. Es folgen Diskussionen, in denen sich für den Zuschauer interessante Gedankenansätze offenbaren. Johanna willigt dem Gespräch nur ein, indem sie es als ein Spiel betrachtet - eine Metapher etwa, zu den blinden Mitläufern von einst, die alles als ein Spiel betrachteten, als eine Schutzfunktion gegen die Realität?
Durch das Tempo innerhalb des Schauspiels, gewinnt die gesprächslastige Inszenierung an Kurzweiligkeit. Spätestens dann, als Lunas Geist im Haus umher irrt und sich die Frauen an ihre Kindheit erinnern, die scheinbar bei niemandem vollkommen war.
Deutsche Klischees werden aufgeworfen, bis hin zur Frage: In wie fern sollten wir heute noch Schuldgefühle hegen? Heimlich fragt man sich, zu welchem Resümee die Künstler unter sich gekommen sein mögen.
Hinter dem Armband verbirgt sich letztendlich eine traurige Liebesgeschichte zwischen der Jüdin Luna und einer deutschen Frau. In kurzen Sequenzen schwenkt das Geschehen zurück in die Zeit vor über 65 Jahren. Dabei verwandelt sich jede der Darstellerinnen einmal für einen kurzen Moment in Luna. Auch hier zeigt sich das Theater einmal mehr als das perfektes Medium.
Wenn am Ende das Armband vergraben wird, liegt es am Zuschauer selbst, ob er für sich selbst die Erinnerungen begraben wissen will oder, im besten Falle, das Kriegsbeil zwischen den christlichen und jüdischen Fronten.
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