Moral und Mode

Im Trend ? Weltbewusst shoppen und sich zur Kleidungsauswahl bekennen. Mette Gabler Site4 von Redaktion ARTiBERLIN (28.03.2010)
Titelbild


Die Welt scheint zurzeit  im konstanten Balanceakt zwischen Kapitalismus, Konsum und Produktion vs. Umwelt und sozialer Gerechtigkeit. Daher entsteht die Frage: Wie viel möchte und kann ich zahlen um Weltbewusst zu essen, zu leben oder mich fortzubewegen? In den letzten Jahren hat sich alles was Bio ist schon kommerziell und Mainstream durchgesetzt, und in vielen Fällen ist es schon ein Verkaufsaufhänger, wenn ein Produkt als ökologisch oder als Fair Trade auf den Markt kommt. Von Milch, Wurst und Auto zu Handys, Flugreisen und Strom wird jedes Produkt als umweltbewusste Variante angeboten. Warum man etwas kauft, kann dabei ganz unterschiedlich begründet werden. Ist es ein wichtiger Teil meines Daseins bzw. beeinflusst meine ideologische Überzeugung, basierend auf (Gleichberechtigung??), meinen Kauf? Fühle ich mich dadurch als besserer Mensch und beeinflusse ich mein Karma, so dass der egoistische Antrieb mir ein erfolgreicheres Leben beschert? Oder ist es grade der Trend dem ich Folge? 

Trends und Mode haben häufig einen sehr starken Einfluss auf das Leben das wir führen. Nicht zuletzt bei der Kleidung die wir auswählen. Kleidung wird als Erweiterung unserer Persönlichkeit angesehen und ist dabei wichtig als Wiedererkennungsfaktor und zur Abgrenzung verschiedener Gruppierungen von Leuten; ganz nach der Devise: Ich bin was ich trage. Dabei ist das Bewusstsein zu Kleidung und zum Shoppen noch begrenzt. Die Problematik lässt sich wie folgt unter einigen Hauptthemen einteilen.
Wurde mein Outfit mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt? Sind andere ausbeutende und/oder gesundheitsschädliche Arbeitsverhältnisse die Grundlage für mein Erscheinen? Gibt es bei der Herstellung meiner Kleidung Produktionsumstände, die die Umwelt im hohen Masse beanspruchen? Sind Materialien für meine Ausstattung ausgewählt, die nicht nur für meine persönliche Gesundheit sondern auch für die Umwelt im Nachhinein besser sind? In Auseinandersetzung mit diesen Fragen lassen sich die Dilemmas ausgiebig diskutieren und führen eine komplexere Realität(en weg!) mit sich. Zum Beispiel kann aus Definitionsumständen Kinderarbeit unterschiedlich eingestuft werden. Das Mindestalter variiert von Land zu Land und selbst in Fällen in denen die ArbeiterInnen über das eingestufte Alter sind, mögen sie noch immer sehr jung sein. Dabei ist die Art der Arbeit auch ein Faktor. Kaum jemand würde sich daran stören, dass in Deutschland ein 15 jähriges Kind Zeitungen austrägt, doch sollte ein  Kind im ungefähr gleichen Alter schwerste Straßenarbeit ausführen oder am Fliessband Jeans herstellen, würden es die meisten wohl nicht für angemessen halten. Um das Produktionsdilemma zu umgehen, greifen viele auf die Secondhand-Variante zurück. Wiederverwendung von Kleidung, Recycling oder Kleidertausch sind brauchbare Alternativen zum Neu-Kauf. Nur ob die Motive tatsächlich aus Weltbewussten Ideologien herrühren ist unsicher. Auch Secondhand hat einen modischen Aspekt. Kleidung aus Zeiten des vergessenen Trends kehrt als Retro oder Revival wieder als Super-In zurück, welche den Secondhandläden einen neuen Reiz und haufenweise Kunden bringt. Andere Gründe zum Secondhand-Shopping könnten preislicher Natur sein. Obwohl nun viele Secondhandläden als Trendverkäufer eingestuft werden können, gibt es doch Möglichkeiten preiswertere Optionen zu wählen. Doch die Frage über Produktionsvorgänge und weltbewusstem Shoppen ist auch hier wieder vergessen, da oftmals nicht Hinterfragt wird ob wir das jetzt wirklich brauchen. Ist der Schrank nicht eigentlich sowieso schon zu voll? Und können wir nicht auch ohne dieses super sexy Oberteil mit Polyesterbommeln überleben? Wieder eine Alternative für weltbewusstes Shoppen kann durch humanitäre Organisationen wie z.B. Humana gegeben werden. Leider gibt es als Käufer keine Garantie dafür, dass jede Organisationen die Einnahmen auch Tatsächlich für wohltätige Zwecke spenden und speziell im Falle Tvind-Humana, wurden problematische Praktiken vermutet. Im Gegensatz stellt sich die Frage ob Nicht-Kaufen oder Boykot, wie so oft, auch nicht bloß die Falschen trifft. Die Arbeiter, die in Indien durch hüfthohes Giftwasser durchwaten, um ein Kleidungsstück in die Trendfarbe einzufärben, sind doch ohne Arbeit auch nicht besser dran. Aber wenn ihre Krankenhausrechnungen den Lohn übersteigen, oder die Familie einfach das Einkommen wegen eines frühen Tod verliert, sollte es keine Debatte geben. Leider ist es für die Bevölkerung in unserer Gegend nicht möglich, sich in diese Situation zu versetzen. Unsere Rechte sind nun einmal besser geschützt und wir müssen nicht jeden Tag entscheiden ob ich jede Art von Arbeit akzeptiere oder ob ich das Risiko eingehe mein jüngstes Kind verhungern zu lassen.

Letztendlich muss man eingestehen, dass es nicht einfach ist die richtige Entscheidung zu treffen. Sich einen Zensierbalken vor die Augen zu streifen, um nicht mehr zu sehen ist dennoch keine brauchbare Lösung. Wir alle haben Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber und müssen uns dementsprechend auch mit der Frage des Trends auseinandersetzen.

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