Hip Hop: Chefket

Ganz sicher ist Chefket nicht das Sprachrohr einer Generation und ist nicht das, was Ton Steine Scherben und Wolf Biermann für die 68er Bewegung waren, dennoch ist der Zug den Publik Enemy bereits im letzten Jahrhundert besprühten und Freundeskreis … Site4 von Enrico Hahne (18.12.2011)
Titelbild

 

Chefket – Die neue Generation von Rappern aus Berlin?


Willkommen in Berlin. Willkommen in der Welt des Hip Hop. Neben den bekannten Größen des Business tummelt sich eine kleine, aber dennoch sehr etablierte Runde an Rappern von der Innenstadt bis in die Randbezirke. Und immer wieder prescht einer von ihnen nach Vorne. Ein ganz eigener Kopf findet schon seit geraumer Zeit seinen Weg vom Freestyle MC und Battle Rap King zur oft diskutierten Neuen Generation von Rappern aus Berlin.

Chefket! Ein Talent, das in Heidenheim aufgewachsen ist und sich selbst den erhobenen Zeigefinger nennt. Schon lange fest verankert im Kreise des Hip Hops, glänzt er neben seinem Debüt Album Einerseits/Ausserseits, welches eine gekonnte Mischung aus Soul und Funkelementen neben klassischen Hip Hop Beats liefert, mit Features mit Materia oder seinem Label-Kollegen Amewu.

chefketZu seiner Geschichte gehört dann wohl die unverdrossen Anwesenheit auf unzähligen Open-Mic-Sessions und Freestyle Battles, mit welchen er sich gerade technisch einen über die Grenzen von Berlin hinaus respektierten Namen erarbeiten konnte. Dennoch bietet Chefket eine solide Basis für alle Vorurteile. Türkische Wurzeln und eine Jugend die mit Kiffen, Skateboard fahren und Rappen zu einem Umzug in die Hauptstadt führte. Und schon ist man wieder bei der Frage nach der Basis.

Für viele Aussenstehende zeichnet immer noch der Name Aggro Berlin das Bild von Berliner Hip Hop als Ausdruck von sinnloser Gewaltverherrlichung, Sexismus und Geld. Doch hat nicht zuletzt der Berliner Hip Hop in den letzten Jahren mehr als dazugelernt. Und Chefket hat eindeutig seinen Anteil daran. Sein erstes Album Einerseits/Ausserseits, das immer noch aktuell ist, ist mehr als ehrlich und wie bei Chefket nicht anders zu erwarten ausserordentlich Stil sicher. Songs wie Jeder oder Regen überzeugen mit lyrischer Stärke und technischer Qualität.

 

Dies war wohl auch seinem Label Edit Entertainment klar, welches ihn 2009 unter Vertag nahm. Souverän zitiert der Rapper, der nach eigener Aussage seinen Weg zum Hip Hop durch das Nas Album It was written fand, auf seiner Facebookseite Peter Suhrkamp und zeigt sich auch in zahlreichen Interviews sehr respektvoll. Besonders in Anwesenheit anderer Rapper.

Gerade Tracks wie Made in Germany zeugen von nicht minderem politischem Interesse und dem Wunsch Kritik zu üben und eine Meinung preis zu geben, die nicht nur lyrisch weit aus mehr zu bieten haben als das, was Bushido in seiner Verteidigungsrede zur Bambi-Verleihung zum Besten gab.

Video: Chefket Made in Germany

Aber ist es die Entwicklung vom erfolgreichen Freestyler, der auf jeder Battle-Jam mit puren Skills überzeugt, hin zum inhaltsbedachten, nachdenklichen Sprechgesang oder ist es der einfache Weg zur Ernsthaftigkeit, die man sich in einem gewissen Alter aneignet?

Ganz sicher ist Chefket nicht das Sprachrohr einer Generation und ist nicht das, was Ton Steine Scherben und Wolf Biermann für die 68er Bewegung waren, dennoch ist der Zug den Publik Enemy bereits im letzten Jahrhundert besprühten und Freundeskreis im deutschsprachigen Raum prägten gerade wieder ins U-Bahn Depot eingerollt und es bleibt zu hoffen, dass die Neue Generation von Rappern aus Berlin die Dosen ordentlich klackern lässt und ihre Botschaft auf den Wholetrain bombt. 

 

Chefket

Label: edit-entertainment

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