Die Vermischung von Herbst und Winter bringt eine aufwühlende Stimmung mit sich. Einerseits fallen weder Blätter noch Schnee und man hat das Gefühl irgendwo zwischendrin zu stehen und in freudiger Erwartung zu sehen was als nächstes kommt. Andererseits vermittelt die Dunkelheit der Übergangsphase ein Gefühl von dunkler Melancholie. Ähnlich ist das auch mit Nika Roza Danilovas Musik. Die gebürtige Russin aus Wisconsin schafft mit ihrem Soloprojekt ZOLA JESUS eine Art von Musik welche gleichwohl düster und unheimlich als auch intensiv, aufwühlend und bewegend ist.
![]()
Verbessert durch jahrelanges Opernsingen besitzt Nikas Stimme eine unglaubliche Tiefe und enormen Ausdruck. Sie wird zu Recht mit KATE BUSH und FLORENCE + THE MACHINE verglichen und verdient den Titel als Vorbotin einer zweiten Goth-Pop-Welle. Ihre ersten Songs nimmt das Mädchen mit dem Ruf einer Eisprinzessin mit 16 Jahren auf und mit 18 startet sie ihr Projekt ZOLA JESUS. Ihre kraftvolle Opernstimme kombiniert sie gekonnt mit düsteren Sounds und lässt ihren Emotionen freien Lauf. In einem Interview sagt sie, sie liebt das Gefühl wenn ein Song so intensiv und ausdrucksvoll ist, dass einem die Adern schmerzen. Eine gute Beschreibung für ihr Schaffen. Nu-Wave-, Industrial- und Gothic-Sounds werden mit eindringlichen und fast schon sphärischen Psalmen kombiniert und verursachen beim Hören, wenn nicht unbedingt den Schmerz in den Adern, zumindest eine leichte Gänsehaut und einen Schauer der einem über den Rücken läuft. Was dabei herauskommt klingt sehr trist und trostlos, traurig und verzweifelt und doch wunderschön. Ganz so, als käme es direkt aus den tiefsten Abgründen einer geschundenen Seele mit einer enormen Ballung an Emotionen die freigelassen werden müssen.
Der Operngesang hat ZOLA JESUS wahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht beeinflusst. Bei den Aufnahmen der Alben versuchte sie immer ein Album als Ganzes zu betrachten und nicht nur Song für Song. In Opern gibt es Arien, Intermezzi und andere Teilstücke, die die Oper zu einem Ganzen machen und so eine Geschichte und eine Stimmung erschaffen. Das Opernsingen in ihrer Kindheit machte die Russin selbstkritisch und erweitert wurde dies durch ihr Philosophiestudium welches ihr die Türen in eine Welt voller Nietzsche, Schopenhauer und Dostojewski öffnete. Dass die große weite Welt, jenseits des Ortes wo sie aufwuchs, noch viel düsterer und böser war, lernte sie schnell. Eine Erkenntnis die sich offensichtlich einbrannte und Inspiration für die Thematik der Lieder schaffte.
Wie sich das zierliche Mädchen mit den blonden Haaren und dem feinen Gesicht weiter entwickeln wird bleibt abzuwarten. Eine Tendenz zum Helleren lässt sich beim letzten erschienen Album CONTATUS feststellen. Wo sich THE SPOILS und STRIDULUM II noch durch und durch düster und unterkühlt darstellen, zeigt das dritte Album dass die weite Welt des Goth-Pops bei Nika durchaus auch Platz für Dur-Klänge bietet.
www.souterraintransmissions.com
Fotos: Souterrain Transmissions
Über die Autorin Eva Mühlbauer:
"Es ist ganz einfach: Ich schreibe über Musik. Ich schreibe nicht über Kunst oder Politik, nein, ich schreibe über Musik, da ich ohne sie nicht kann.
Ich habe viel vor, unzählige Konzerte die ich besuchen möchte und an denen ich euch teilhaben lassen will. Etliche Neuerscheinungen über die ich rezensieren möchte. Und zahlreiche neuentdeckte Bands, die ich euch vorstellen werde. Ich schreibe nicht über Bands von denen ich denke, dass sie glorios genug sind um darüber zu berichten. Viel eher über solche, die einen Unterschied im routinierten Standart vollbringen – sei es nun im positiven oder negativen Sinne – und es sich lohnt die Gedanken darüber in die Tastatur zu hämmern."
Weitere Artikel von Eva gibt es hier.
Kommentare & Bewertungen
Jetzt selbst kommentieren/bewerten!