FREISCHWIMMER-SPEZIAL: "Invest in me!" in den Sophiensælen

Titelbild

In "Invest in me!" wagt das Duo Thom Reinhard und Monika Truong die Mischung aus Kunst und analytischem Blick auf das Phänomen Social Entrepreneurship. Hier entsteht durchaus ein Mehrwert im Hinblick auf gesellschaftliche und wissenschaftliche Aspekte, jedoch bleibt dabei im fortschreitenden Verlauf etwas auf der Strecke, das letztlich dominieren sollte: das Künstlerische.

Mit einem Laserpointer ausgestattet (den man für das Hinterlegen von fünf Euro bekommt) muss das Publikum zunächst offenlegen, wer normaler Theaterzuschauer und wer Investor ist, ob man genug Geld hat oder nicht, ob man einen Kaffee mit Joe Ackermann trinken würde... Neben dieser amüsanten Mitmachaktion ist der Auftritt des verantwortlichen Dramaturgen Elias Gross das Highlight des Abends. Er präsentiert sich als "kritische Stimme", die mit dem status quo der Inszenierung nicht zufrieden ist. In einer "Welt der Models und Nichtraucher" fühle er sich depressiv und sei eigentlich ja für die Revolution. Mit seinem ironisch-witzigen Jammerlappen-Zorn hebt er sich von den anderen drei Pitches ab, die zwar inhaltlich konkrete Ideen behandeln, jedoch in der Darstellung schwächeln. Was für Social Entrepreneurship Agenturen reicht, ist nicht notwendigerweise geeignet, um ein Bühnenprogramm mit Sinn zu füllen.

Evelina Lundqvist mit ihrer umweltfreundlichen Marmelade "Zero Waste Jam", Mario Sinnhofer mit seinem unförmigen Fußball "Rasenreich" und Edmund Trollope mit seiner Wissenschafts-Plattform TWDK (Things We Don't Know) preisen ihre Visionen an und versuchen mögliche Investoren zu überzeugen. Die Abstimmung des Publikums jedoch entscheidet eindeutig der Dramaturg für sich, auf den alle Laserpointer zeigen. Die abschließende Einschätzung durch den Agenturchef Thorsten Jahnke lässt den Schwerpunkt von "Invest in me!" endgültig hin zum Univortrag und weg von der Kunst rutschen.

Außerdem:

Eigenes Bild 2 (gross)EIN.KÜCHEN.BAU
Jonas Lahtinen macht während des Freischwimmer-Festivals eine Einbauküche zum diskursiven Ort der Installation und Performance. Nach dem anfänglichen live-Aufbau ist sie für alle frei zugänglich. Kochen und Zeitmanagement sowie deren verschiedene Interpretationen von der notwendigen Routine bis zur Selbstverwirklichung sind Themen des EIN.KÜCHEN.BAUs.

 

Sophiensæle, Sophienstraße 18, 10178 Berlin

25.10. – 4.11.2012

Freischwimmer

Bildrechte bei Gerhard Ludwig

 

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Über die Autorin:
Nachdem sie sich in ihrer BA-Arbeit mit Fragen des Exiltheaters in Zürich beschäftigt hat, studiert Ulrike Bauer seit kurzem "Medien und politische Kommunikation" im Master an der FU Berlin. Der Drang, das Bühnengeschehen in seiner Vielfalt zu erkunden, entwickelte sich zu Zeiten der Adoleszenz mitten in der mecklenburgischen Provinz und findet nun seit vier Jahren im einmaligen Berliner Angebot stetig neues Futter.

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