Cinélog - Die zwei Leben der Veronika

Titelbild

Es lebten einmal zwei Mädchen in zwei Ländern. Sie kannten sich nicht. Beide liebten die Musik. Die eine starb daran, die andere spürte das. So könnte das Märchen von Krzystof Kieslowski beginnen.

Eigenes Bild 2 (gross)
Polen, Krakau. Weronika ist eine junge, weltfaszinierte, sensible Sängerin. Ihre Stimme lässt, engelsgleich, die Menschen zu ihrer Traurigkeit über die Welt zurückfinden. Die Blicke, die sie verändert, sind tief berührt und sinken unter der Last der jungfräulichen Leidenschaft nieder. Man ist unglaublich erleichtert, als sie beim Singen selbst die Schnur vom Notenordner abreist, sonst hätte man es wahrscheinlich selbst getan. Doch Weronika bleibt immer öfter stehen und blickt in die Leere. Sie fühlt, dass sie nicht alleine ist. Ihren ersten Auftritt verfolgen wir mit drückendem Herzen. Die hohen Töne in Dantes „Göttlicher Komödie“ sind kaum zu ertragen, weil sie so zart und eigentlich schon fast zerbrochen klingen. Wir verfolgen das grünlich-gelbe Orchester aus Weronikas Sicht, müssen einatmen, schwanken und wissen nichts mehr.


Frankreich, ParisEigenes Bild 4 (gross). Véronique unterrichtet Musik in der Grundschule. Am liebsten steht sie am Fenster und schaut auf den grautoten Schulhof, während die untalentierten Kinder ihr arhythmisch immer dieselben Takte vorspielen. Der Besuch eines Puppenspielers aber verwandelt ihre verträumte Zufriedenheit. Sie hat schon länger dieses Stechen im Brustkorb. Es fühlt sich an, als wäre sie nicht ganz. Erwarte diesmal aber keine Romanze, lieber Leser.


Irène Jacob ist Weronika. Ist Véronique. Zwei identische Frauen. Keine Inkarnation. Kein neuer Lebensabschnitt. Zwillinge vielleicht? Doppelgänger? Sie fühlen sich, von dem Gedanken fast lebensunfähig gemacht, aufs Äußerste verbunden und doch kennen sie sich nicht.
Kieslowski füllt den Film mit subjektivster Symbolik. Eine Glaskugel, die die Welt spiegelt. Fotographien, die Véronique spiegeln. Marionetten, die die Geschichte spiegeln. Die Stille des Films wird ständig begleitet von Weronikas Todeslied. So bleibt es kaum aus, dass man verständnislos emotional reagiert und den Schlüssel zum Rätsel nicht finden kann.

Eigenes Bild 3 (gross)
Der verstorbene Regisseur und Drehbuchautor spannt die Subjektivität und Bedrängnis des Lebens  vom Dekalog über Die zwei Leben der Veronika zur Trilogie Drei Farben (Blau, Weiß, Rot) und nicht unauffällig bleibt dabei die politische Allegorie auf Polen und Frankreich haften. Zwei Länder, die er miteinander verwandt fühlt. Die Antwort, ob sie es sind, überlässt er Weronika und Véronique.

 

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Bilder
http://hila-lumiere.blogspot.com/2011/04/la-double-vie-de-veronique.html

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