Wusstest du, dass dieser Monat fünf Montage hat?
(Und mein Brief an dich deshalb auch so spät kommt?)
Den fünften Montag gibt es sozusagen einfach so, ohne Nachfrage, gratis dazu.
Vielleicht als Teil einer Promotion Aktion.
Zum Beispiel in einem „sorglos Komplettpaket, mit einer völlig legalen Dose Koks und einem Piratenkochbuch aus Axel Springer freier Zone“, wie ein Straßenmagazinverkäufer neuerdings seine Ware anpreist.
Montage sind schlimm.
Das weiß doch jedes Kind.
Am Montag fängt die Woche an. Alle klagen über Montage. Keiner will die haben.
Wer also braucht, nach der erfolgreichen Absetzung der „Montagsmaler“, einen fünften Montag im Monat?
Und viel wichtiger, kann man den tauschen?
Vielleicht gegen einen Sonntag?
Mein letzter Montag zum Beispiel war ziemlich
ähm
speziell.
Zum einen, weil ich direkt nach dem Aufwachen per sms mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, dass ich zickig sei und zum anderen habe ich danach festgestellt, dass ich mir nebst meiner gut gepäppelten Erkältung auch noch eine Bindehautentzündung im linken Auge eingefangen habe. Das kombinierte ich zumindest scharf mit meinem dilettantischen Halbwissen, als ich Symptome wie Schwellung, Juckreiz und die rote Farbe zusammenzählte.
Hast du darüber nicht zufällig mal ein Sachbuch gelesen und könntest mir als Telefonjoker dienen? Nein? Schade.
Aber nicht genug mit der Aneinanderreihung unglücklicher Zustände:
Ich bekam einen Brief.
Vor allem Versicherungen, Kreditinstitute und die Hausverwaltung schreiben mir ja hartnäckig und halten die Regel des „Antwort abwartens“ nicht ein.
Letzterer Absender schickte mir an diesem nervigen Montag
Trommelwirbel
eine Heizkostennachzahlung von fast 600 Euro für das letzte Jahr.
Hallo?!
Habe doch schon tausendmal gesagt, die Kälte kommt von innen, da hilft auch das Heizen nicht.
Ich bin zickig?
Das möchte ich jawohl meinen!
Der Entschluss meinen Tag optimal zu nutzen und einen Augenarzt ohne Termin aufzusuchen stand fest, natürlich nur zur Sicherheit
(und um mich mit anspruchsvoller Zeitschriftenliteratur abzulenken, is klar).
Auf halbem Weg zum Arzt musste ich umkehren und die vergessene Krankenkassenkarte holen.
Bevor ich das Ziel erreichte, sah ich an einer Häuserwand ein Schild, auf dem mit großen, schwarzen Buchstaben geschrieben stand: NERVENARZT.
Habe fast reflexartig eine kurze Bremsung mit meinem Fahrrad hingelegt, bin dann aber doch entschlossen weitergeradelt.
Den ersten Satz, den ich in der Augenarztpraxis vernahm, war von einer Sprechstundenhilfe, die ihre Kollegin fragte:
„Darf ich dir was aufs Auge drücken?“
(An ihrer großen Brust baumelte ein Schild auf dem stand: Rezeptionsleiterin“.)
Und kurz darauf ahnte ich, dass ich von diesem Montag Vormittag noch lange zehren werde, als ich bemerkte, dass sich diese Praxis eine besondere Form der Patientenfolterung ausgedacht hatte:
Es gab KEINE einzige Zeitschrift!
Lea? Brigitte? Tina? Freundin? Schöner Wohnen? Gala? Bunte?
Hallo? Ist da jemand?
Fehlanzeige.
Stattdessen hatten sie das Wartezimmer auf wohlige Saunahitze temperiert. Fehlte also nur noch der Latschenkieferaufguß und jemand der in den 3 Stunden Wartezeit hie und da mal ein Handtuch reichte.
Auch die „Kinderecke“ war mager ausgestattet: Es gab zwar 5 kleine Stühle aus Holz, jedoch kein Spielzeug!
Sehr zur Freude aller Wartenden, die in regelmäßigen Abständen mit den Augen rollten oder ihre Finger nervös zu Fäusten ballten, da das einzige Kind im Raum es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die kleinen Stühle zu stapeln, zu schieben, umzuwerfen, zu stapeln, zu schieben, umzuwerfen...
Und die Mutter wiederholte sich hilflos:
„Emanuel. Lass das bitte, die Menschen mögen das nicht.“
(Ich dagegen schrieb und empfing wie eine Wahnsinnige Sms und überlegte einen kurzen Augenblick übermütig meinen Nachrichtenton extra laut zu stellen.)
Zu guter Letzt überraschte mich der Arzt überhaupt nicht, als er nach seiner Untersuchung meinte: "Wir machen jetzt mal was gefährliches. Ich gebe Ihnen diese Tropfen und wenn es schlimmer wird, kommen Sie morgen einfach direkt wieder.“
(Außerdem mutmaßte er eine allergische Reaktion. Vielleicht auf einen Ficus. Ich tippe da aber insgeheim eher an eine emotionale Vorwurfsallergie...)
Auf dem Heimweg ist mir während der Fahrt das Lenkrad von meinem Fahrrad abgebrochen und zu Hause angekommen kullerte auf einmal der Knopf meiner „Cheap Monday“ Jeans auf den Boden.
Dazu keine näheren Erläuterungen.
Aus sicherer Quelle weiß ich, dass an diesem vierten Montag auf dem Kinderspielplatz ein kleines, dickes Mädchen auf einem roten Schaukelpferdchen saß, wie wild darauf schaukelte, ihr imaginäres Lasso schwang und „Ich bin ein Cowboy! Ich bin ein Cowboy!“ gerufen hat.
Und nun steuern wir auf den fünften Montag in diesem Monat zu,
nicht zu fassen.
Noch einen Montag lehne ich entschieden ab.
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